Crufts 2009

 
 
 

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Es nahm alles seinen Lauf als ich, Anouk vom Drei-Städte-Eck, im März 2008 in Luxemburg Jugendchampion wurde und damit die Anwartschaft (Teilnahmeberechtigung) zur Crufts 2009 in Birmingham, der weltweit größten Hundeausstellung bekam. Meine Familie und meine Züchter waren sehr stolz mich (ich auf mich auch!). Wir besuchten 2008 noch einige andere Ausstellungen, u.a. im Oktober die Bundessiegerzuchtschau in Dortmund. Hier passierte etwas, mit dem keiner gerechnet hatte! Ich gewann souverän in der Jugendklasse, erhielt den Titel Bundesjugendsiegerin und bekam die zweite Anwartschaft für Crufts 2009. Von da an ging alles sehr schnell.

Durch zwei Anwartschaften innerhalb eines Jahres stand für meine Familie fest:

WIR FAHREN ZUR CRUFTS 2009 NACH BIRMINGHAM.

                                                                                                                            

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Für Planung und Vorbereitung standen uns nur noch vier Monate zur Verfügung. Zum Glück hatte mein Frauchen nach meiner Impfung im Sommer Blut abnehmen lassen, um den Tollwut-Titer bestimmen zu lassen. Ohne den durften wir nämlich nicht nach England einreisen. Eine ATC-nummer wurde beantragt und mit der Anmeldung zur Crufts ausgefüllt und abgeschickt. Die Frage wie wir (Frauchen, ich und mein Züchter) nach Birmingham kommen, wurde uns leicht gemacht! Nachdem Fliegen (Gott sei Dank, ich habe Höhenangst) wegen der hohen Kosten für mich ausschied und Frauchen nicht gerade seetauglich ist, blieb nur noch der Eurotunnel unter dem Ärmelkanal! Also wurden fix Tunnel und Zimmer reserviert und die verbleibende Tage bis zur Abreise im Kalender abgestrichen. Dann war es endlich soweit. Meine Anmeldepapiere kamen zurück, doch leider hatte mich Fossa Data (Meldestelle von Crufts) in die falsche Klasse gesteckt! Die Klasseneinteilung bei Crufts ist so gar nicht mit der in den FCI-Ländern zu vergleichen. Alles reklamieren bei Crufts, Fossedata und dem British Kennel Club blieben ebenso erfolglos wie nachfragen beim VDH in Dortmund. Die Engländer waren nicht sehr kooperativ! So musste ich in der "Open Class“ bleiben und starten. Wie sich später herausstellte, ein folgenschwerer Fehler. Man erfuhr von dritter Seite, dass eine Meldung in mehreren Klassen möglich sei und beim Versuch, mich doch noch in der postgraduate-class anzumelden, teilte Fossedata ganz schnell mit, das gehe nicht mehr, weil der Katalog in Druck sei. Meine Familie nahm`s mit Humor: Wir fahren trotz Allem! Dabei sein ist Alles!

Freitag, den 06.03.2008

Der große Tag war da! Die Koffer, Reisetaschen und Proviant gepackt, das Auto durchgecheckt (überahm Herrchen) und beladen, Papiere und Ausweise griffbereit gelegt. Unsere Fahrt führte uns zuerst nach Hagen. Dort wurden wir von meiner Züchterfamilie erwartet und herzlich begrüßt. Nach Abendessen und Geplauder gingen wir noch bei Regen eine Runde spazieren. Wie heißt es doch im Lied: "Raindrops are falling on my head...". Aber kein Problem für mein Frauchen, rasch wurde ich trocken gerubbelt und wir konnten zur Nachtruhe übergehen.

Samstag, 7. März 2009

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Nach einem reichhaltigen Frühstück (weniger für mich) für mein Frauchen ging die Fahrt bei strahlend blauem Himmel "wenn Engel reisen" am Samstagmorgen mit einigen Zwischenstopps für mich weiter nach Calais zum Eurotunnel. Bereits vor Mittag erreichten wir im französischen Calais den Euroshuttle. Ich mußte an einem separaten Pet-Schalter angemeldet werden. EU-Heimtierpaß, Chip, Tollwut-Antikörpernachweis und Entwurmungsnachweis wurden kontrolliert

 

Die Einreiseformalitäten für mich waren nach wenigen Minuten erledigt und wir konnten in den Autoreisezug einfahren. Dieser brachte uns in 30 Minuten durch den Tunnel unter dem Ärmelkanal auf englischen Boden, nach Folkstone. Ich bekam
davon gar nichts mit, da ich die ganze Zeit geschlafen habe!

 

                                                         

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Am Spätnachmittag erreichten wir unser Hotel in Conventry, Nähe Birmingham. Dort wurde zuerst eingecheckt und dann ausgiebig spazieren gegangen. Endlich konnte ich mich nach über 800 km Autofahrt auf einer benachbarten Wiese so richtig austoben. Wir kundschafteten schon einmal den Weg zu Ausstellungshalle aus und trafen am Abend zwei nette Teilnehmerinnen vom heutigen Tag, die uns wertvolle Tipps gaben.

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Sonntag, 8. März 2009

Weder das etwas bescheidene „Continental-Breakfast“ im Hotel, noch der graue, trübe mittelenglische Himmel über den Midlands mit starkem Wind und Wolken, die wenig Gutes versprechen, schafften es, unsere freudige Erwartung und gute Stimmung zu trüben. Wir sind gespannt auf die Ausstellung und freuen uns, englische Hovawarte zu sehen. Da die Organisatoren uns keinen Zeitplan übermittelten, brachen wir zeitig auf, meisterten problemlos britischen Linksverkehr und massenhafte Kreisverkehre (wir sind halt anpassungsfähig) und erreichten zügig das Ausstellungsgelände. Kurz vor 8 Uhr begrüßte uns zuerst ein "Welcome to Crufts" - Banner über dem Eingang. Schnell passierten wir den Eintrittsbereich, denn es wurde nichts, aber auch gar nichts kontrolliert! Kein Pass, kein Microchip, kein Hund einfach nichts!!! Man hätte jeglichen anderen Hund zur Ausstellung mitbringen können! Eine halbe Stunde vor Beginn erreichten wir Ring 16 in Halle 4. Wir sind fast die Ersten, die mit einem Hovawart wie mir den vorgesehenen Platz bezogen. Beim Studium des Kataloges stellten wir fest, dass vor den Hovis rund 75 Corgis gerichtet werden. Wir machten uns auf mehrstündige Wartezeit gefasst.....

.....während ich geduldig auf meinem Platz in der vorgesehenen Kabine (Bench) einnahm, besorgten sich Frauchen und Züchter Stühle und nehmen vor der Bench Platz

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 Kaum war alles verstaut, kamen schon die ersten Züchter und Aussteller auf uns zu. Wir wurden herzlich begrüßt. Mit "Welcome", "Sweety" und "Beautifule smile in her face" sprachen aber die Ausländer eine komische Sprache, die ich überhaupt nicht verstand. Aber anscheinend verstand meine Familie diese Sprache, den es wurde genickt, gelächelt und sogar geantwortet. Ich wurde mit bewundernden Blicken gelobt und gestreichelt. Viele wollten meinen Zwingernamen und meine Homepage wissen ( leide hatte ich zu dieser Zeit noch keine). Wir trafen eine meinem Züchter bekannte Zuchtleiterin und Zuchtrichterin aus den Niederlanden und erfuhren mehr über Crufts, auch Manches was weniger erfreulich war. So erfuhren wir, dass der heutige Richter, Mr. Quinnley, kein Spezialrassezuchtrichter wäre und es wurde erzählt, dass dieser Richter wohl erst 15 Hovawarte beurteilt habe! Und Ausländer mochte er auch nicht! Das waren ja tolle Vorraussetzungen! Wir wollten das aber vorurteilsfrei angehen. Kurz vor Mittag trafen die meisten der 45 gemeldeten Hovawarte ein. Woher wussten die wohl, dass die Hovis erst deutlich nach 12 Uhr an der Reihe waren? Auf Nachfragen erfuhren wir, dass die Engländer einen Zeitplan bekommen hatten, wir aber trotz Anfragen nicht! Während unserer Wartezeit mußten wir feststellen, dass Manches, was vom "Großereignis Crufts" berichtet wurde einfach nicht mehr stimmte! Vom gesellschaftlichen Ereignis bekamen wir wenig zu Sehen, dafür mehr zum Hören. Der Lärmpegel war enorm. Es war so laut in den Hallen, alle redeten durcheinander und von besonderer Atmosphäre war hier zumindesten bei den Hovawarten nichts zu spüren. Viele waren "underdressed" oder wir "overdressed" angezogen. Frauchen trug einen chicken dunkelbraunen Hosenanzug und mein Züchter einen dunkelblauen Anzug mit Krawatte an. Manche Aussteller machten eher den eindruck, als kämen sie gerade von einer dreitägigen Wandertour durch die Highlands mit ihren Hovis zurück. Ungepflegtes Erscheinen mit Jeans, Glogs, bishin zum Gammellook von Hund und Führer/-in waren an der Tagesordnung. Angemessene Kleidung für diesen Anlass - wie vorher schriftlich erwünscht - war eher die Ausnahme. Immerhin war mein Frauchen Evi die bestgekleidete Hundeführerin im Ring! Entgegen den Ausstellungsbedingungen, dass die Hunde sich ständig in ihren Kabinen aufhalten müssen und sie nur kurz für einen Gang zum Löseplatz die Kabine verlassen dürften, war Nichts zu bemerken. Viele Aussteller schlenderten mit ihren Hunden durch die Hallen. Der als dezent beschriebene Geräuschpegel in den Hallen unterschied sich in Nichts von dem Lärmpegel anderer Ausstellungen auf dem Kontinent. Enttäuschend war das Bild, welches die britischen Hovawarte abgaben. Wir trafen nur drei Rüden, die begeisterten, die meisten Anderen hätten auf Schauen im Herkunftsland des Hovawartes wohl keine großen Chancen.

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Ein ganz besonderes "Gschmäckle“ (für Nichtschwaben: übler Beigeschmack) hatte dann aber das Richten der Hunde. Der Richter tätschelte jedem Hund zur Begrüßung erst einmal auf den Kopf. Kein freundliches "Hello“, keine Frage nach dem Alter des Hundes. Ohne Wortwechsel griff er sodann zur oberflächlichen Betrachtung der Frontzähne dem Hund über die Schnauze, strich dem Hund über Hals und Rücken bis zur Rute um diese dann zwischen die Hinterläufe zu drücken und ansatzweise die Hoden zu ertasten. Gleiches Prozedere bei Hündinnnen, wir fragten uns allerdings, was er denn dort ertasten wollte? Anmerkung von mir: "Lieber Richter, ich bin eine Hündin und habe gar keine Hoden!" Eine halbe Runde um den Ring und zurück die Diagonale laufen genügten diesem Richter für eine (qualifizierte?) Beurteilung. Fünf Hunde wurden durch nochmaliges kurzes Hinsehen ausgewählt, die restlichen Teilnehmer ließ er „dumm stehen“; kein Danke, keine Verabschiedung. Die Nichterwählten standen einfach wie ein „Häufchen Elend“ im Ring. Für die „open class bitch“ mit sieben Hündinnen benötigte der Richter komplett acht Minuten. Für insgesamt 44 Hovis benötigte dieser Richter knapp 90 Minuten! Vielleicht war ja ein Redaktionsvertreter vom „Giuness Buch der Rekorder“ unter den Zuschauern, um diese zeitliche Meisterleistung zu erfassen. Es war beschämend zu erleben, dass dieser Richter Menschen und Hunden, die z.T. erhebliche Mühen und Aufwendungen auf sich genommen haben, nur wenige Sekunden oberflächliche Aufmerksamkeit zukommen ließ, ohne ihnen ein freundliches Wort oder Geste zu schenken.

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Es stimmt nachdenklich: Hunde müssen sich für eine Teilnahme bei Crufts bei bestimmten Ausstellungen - ca. 15 in verschiedenen Ländern - qualifizieren um eine Teilnahmeberechtigung zu erhalten, dieser Richter hingegen nicht! Reichen tatsächlich wenige Sekunden aus, um einem Hovawart eine qualifizierte Beurteilung zukommen zu lassen? Ausländische Aussteller haben weder Kosten noch Mühen gescheut, um nach England zu kommen und teilzunehmen, nur um im Sekundentakt oberflächlich "abgerichtet" zu werden? Es gibt in Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden u.a. eine Vielzahl hochqualifizierter Spezialzuchtrichter für Hovawarte, warum wird für eine angeblich so angesehene Schau wie die Crufts nicht einer von denen eingeladen? Unser Fazit: der Mythos Crufts, die weltweit größte Hundeaussstellung, ist mehr Schein wie sein. Die goldenen Zeiten (wenigsten 2009) sind vorbei. Das gesellschaftliche Ereignis Crufts, eigentlich ein Höhepunkt in unserem Leben, unterschied sich in Nichts von anderen großen Ausstellungen (Ausnahme: es gab keinen Richterbericht, kein CAC und kein CACIB). Unseres Erachtens hat die BSZ oder ESZ in Dortmund mehr zu bieten. Nicht einmal ein kleines Andenken von Crufts erhielt man für die Mühen, die man auf sich genommen hat!!!

Ach ja, ich war in der „open class“ natürlich total fehl am Platz, eine 22 Monate alte Hündin hat gegen 6- bis 9-jährige keine Chancen, besonders wenn dieser Richter einen Schwarz-Markenen Rüden ohne Marken und eine Hündin mit einem extremen Senkrücken (siehe Bild unten) auf den 1. Platz setzt. Auch wenn Mancher es vielleicht nicht gerne hören mag, die Ausrichter dieser Ausstellung ließen die starke Vermutung aufkommen, dass man Ausländer eigentlich gar nicht dort sehen möchte. Nichts desto trotz habe ich von Zuschauern, Ausstellern, Züchtern (die zum Teil die Entscheidug dieses Richters ausbuhten) und sogar von einer Spezialzuchtrichterin für Hovawarte beste Resonazen und Lobesworte erhalten. Obwohl eine Anwesenheitspflicht bis zum Ende der Ausstellung (ca. 19.30 Uhr) bestand, konnten wir, wie viele andere Aussteller, ungehindert mit uns Hunden schon gegen 15.30 Uhr die Ausstellung verlassen.

alt                       Erstplatzierte

Von einem Mythos Crufts konnten wir nichts spüren, die „Goldenen Zeiten“ der Crufts sind wohl ebenso verblasst wie die des Britischen Empires. Die vielzitierte Aussage „Dabei sein ist alles“ kann ich nach dieser Erfahrung nicht unterstreichen sondern sage lieber „man muss auch verzichten können“.